Aktualitäts- und Bildungsbezug
Das Märchen „Alibaba und die 40 Räuber“ ist eine Parabel über Gerechtigkeit und den Balance-Akt zwischen Gut und Böse. Es geht davon aus, dass wir Menschen schwach sind und dass die Sehnsucht nach Reichtum und dem Ende aller Sorgen uns leicht verführbar macht. Diese Grundsituation ist zeitlos und berührt Fragen, mit denen Menschen in allen Kulturen und zu allen Zeiten konfrontiert sind.
Für Kinder im Grundschulalter ist dieses Thema von zentraler Bedeutung. In dieser Lebensphase entwickeln sie ihr Gewissen und ihren Sinn für Gerechtigkeit. Sie suchen intensiv nach Orientierung und nach einem Wertesystem, das sie konkret in ihren Alltag einbeziehen können. Durch das emotionale Ereignis der Aufführung, das sie nachhaltig berührt und über das sie miteinander sprechen können, erfahren die Kinder, dass Menschen – kleine wie große, schwarze wie weiße, muslimische wie christliche – immer wieder vor Entscheidungen stehen, was sie sein wollen: ein guter Mensch oder ein „Räuber“.
Das Projekt stellt die Werteentwicklung von Kindern im Alter von 6 bis 12 Jahren in den Mittelpunkt. Im Fokus steht die Förderung einer Weltethik, die personale und soziale Grundkompetenzen umfasst, wie religiöse und ethische Orientierungsfähigkeit, Toleranz, Höflichkeit, Hilfsbereitschaft, Fairness, Teamfähigkeit, Kreativität, Zivilcourage und Verantwortungsbewusstsein.
Es entsteht die Atmosphäre eines orientalischen Basars, in dem überraschend unterschiedliche Schauplätze auftauchen. Modernes Erzähltheater wird mit verschiedenen Figurentechniken kombiniert und schafft eine Spielform, die ein breites Publikum anspricht und einen individuellen, flexiblen Umgang mit den Zuschauer:innen ermöglicht. Die visuelle Intensität und die phantasievolle Gestaltung des Theaterstücks tragen wesentlich dazu bei, dass abstrakte Begriffe wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Verantwortung für Kinder erfahrbar werden.
Im Gegensatz zu vielen modernen Erzählformen, in denen Gut und Böse klar voneinander getrennt sind, wird das Thema im Märchen differenziert behandelt. Es werden Fragen aufgeworfen wie: Wann beginnt Schuld? Wann muss sie gesühnt werden? Bin ich ein Dieb, wenn ich Diebe bestehle? Es gibt unterschiedliche Grade von Verfehlung, die verschieden bewertet werden, ebenso wie die Möglichkeit zur Reue und zur Entscheidung für einen anderen Weg.
Die verschiedenen Stufen der Verführung durch den Schatz zeigen sich in den handelnden Figuren und ihren unterschiedlichen Reaktionen. Sie machen sichtbar, dass Menschen sich für ihr Handeln verantworten müssen und dass Entscheidungen Konsequenzen haben. Kinder erkennen sich in diesen inneren Konflikten wieder: im Wunsch, etwas zu besitzen, und im gleichzeitigen Wissen um das Unrecht.
Langjährige Gastspiele in Grundschulen zeigen, dass der Anteil von Kindern mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen stetig wächst. Für ein gelingendes Zusammenleben ist das gegenseitige Verständnis von grundlegender Bedeutung. Dieses entsteht sowohl durch das Kennenlernen fremder Kulturen als auch durch die Entdeckung gemeinsamer Werte. Die Faszination für andere Lebensweisen verbindet sich hier mit der Erfahrung von Gemeinsamkeit.
Das Theaterstück lädt die Kinder ein, sich auf eine „Schatzsuche“ zu begeben – nach neuen Sichtweisen und nach gemeinsamen ethischen Grundlagen. Die spannende und abenteuerliche Geschichte sowie die atmosphärische Darstellung der orientalischen Welt fesseln die Aufmerksamkeit und eröffnen einen deutlichen Bezug zur Gegenwart.
Begleitend zur Aufführung können Materialien zur Nachbereitung in Grundschulen eingesetzt werden. Sie vertiefen die Themen und beziehen sie auf die Lebenswelt der Kinder. Fragen wie Was ist heute ein Schatz?, Wo begegnet uns Gier?, Wie kann man glücklich sein, ohne anderen zu schaden? oder Woran erkennt man, ob jemand arm oder reich ist? eröffnen einen Raum für Austausch, Reflexion und eigene Positionen