Andrej Uri Garin (bürgerlich: Andrei Joukov, russisch: Андрей Николаевич Жуков) ist ein deutscher Theaterautor, Dramaturg, Regisseur und Szenograf. Er arbeitet im freien Theater und ist Mitbegründer des Ensembles theater en miniature. Seine künstlerische Arbeit verbindet Textentwicklung, Regie und Bühnenraum und ist geprägt von der Auseinandersetzung mit dramatischen und literarischen Vorlagen.
Herkunft und Ausbildung
Andrej Uri Garin wurde im Oktober 1962 in Kirov (UdSSR) geboren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er zunächst eine technische Ausbildung, widmete sich jedoch parallel intensiv dem Studententheater. In den 1980er-Jahren entschied er sich endgültig für eine künstlerische Laufbahn und studierte Schauspiel und Puppenspiel am Theaterinstitut in Jaroslawl (UdSSR). Das Studium schloss er 1990 mit einem Diplom ab.
Die Ausbildung qualifizierte ihn als Diplom-Schauspieler und Puppenspieler; zusätzlich erwarb er Kenntnisse in Theaterpädagogik, die später zu einer entsprechenden Anerkennung führten. Seine frühe Theaterarbeit in Russland prägte seinen künstlerischen Ansatz, bevor er Anfang der 1990er-Jahre nach Deutschland übersiedelte.
Theaterkarriere und Wirken
Seit den frühen 1990er-Jahren ist Andrej Uri Garin kontinuierlich als professioneller Theatermacher tätig. Er arbeitet als Autor von Bühnentexten, als Dramaturg sowie als Regisseur und entwickelt Inszenierungen häufig aus bestehenden Texten und Stoffen. Regie versteht er als einen kreativen Prozess, in dem Text, Szenografie und szenische Struktur gemeinsam entstehen.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Inszenierungen für erwachsenes Publikum sowie für ältere Kinder und Jugendliche. Ziel ist es, Texte und Stoffe in eine eigenständige theatrale Form zu überführen und für die Bühne erfahrbar zu machen. Dabei entstehen Arbeiten, die Schauspiel, Figuren- und Objekttheater sowie Maskenspiel miteinander verbinden.
Die meisten Theaterstücke von Garin entstanden in Zusammenarbeit mit dem Ensemble theater en miniature, das er 1991 gemeinsam mit der Theatermacherin Ellen Heese gründete. Das Ensemble hatte zunächst seinen Sitz in Kassel und ist seit 2008 in Leimen bei Heidelberg beheimatet, wo Garin und Heese eine eigene Produktionsstätte mit Werkstatt und Probenräumen betreiben.
Garin wirkt dort als künstlerischer Leiter, Regisseur, Bühnen- und Figurenbauer sowie Darsteller. Die Produktionen des Ensembles werden bundesweit gezeigt, regelmäßig öffentlich gefördert und in der Presse rezensiert. Das Repertoire reicht von Aufführungen für Vorschulkinder bis hin zu abendfüllenden Stücken für Erwachsene.
Mit dem theater en miniature trat Garin auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals auf. Bereits 1993 wurde die Arbeit der Kasseler Figurentheater-Gruppe, der Garin angehörte, mit dem Kulturförderpreis der Stadt Kassel ausgezeichnet. Seither arbeitet das Ensemble kontinuierlich in Kooperation mit Kulturinstitutionen, unter anderem mit dem Heidelberger Puppentheater e. V.
Künstlerische Schwerpunkte
Inhaltlich liegt ein wesentlicher Schwerpunkt von Garins Arbeit auf der Umsetzung literarischer Stoffe in zeitgenössische Bühnenformen. Für erwachsene Zuschauer inszenierte er unter anderem die absurden Stücke „Die Sünderin“ und „Elisaveta Bam“ nach Texten von Daniil Charms sowie „Till Eulenspiegel“ als eigenständige Theaterfassung. Mit „Alibaba und die 40 Räuber“ schuf er zudem eine Bühnenversion für jugendliches und erwachsenes Publikum.
Ein weiterer Teil seines Repertoires richtet sich an Kinder und Familien. Unter seiner Mitwirkung entstanden Inszenierungen wie „Winzig, der kleine Elefant“, „Der Grüffelo“ oder „Findus zieht um“. Für ältere Kinder und Jugendliche entwickelte er gemeinsam mit Ellen Heese unter anderem „Pinocchio reloaded“ sowie die mechanisch-multimediale Musiktheater-Performance „Amadeus“.
Insgesamt umfasst das laufende Repertoire des theater en miniature rund ein Dutzend Inszenierungen unterschiedlicher Genres – von humorvollen Puppenstücken bis zu poetisch-experimentellen Theaterarbeiten.
Arbeitsweise und weitere Tätigkeiten
Garin arbeitet an der Schnittstelle von Text und szenischer Gestaltung. Seine Tätigkeiten als Autor, Dramaturg und Regisseur sind eng miteinander verbunden; Bühnenraum und Szenografie versteht er als Teil des erzählerischen Prozesses. Seine Arbeitsweise ist geprägt von einem experimentierfreudigen Umgang mit traditionellen Puppenspiel-Techniken sowie von der Offenheit gegenüber neuen Medien, etwa in digitalen und hybriden Theaterformaten.
Viele seiner Inszenierungen entstehen in kollektiven Arbeitsprozessen mit Ellen Heese, bei denen Garin die szenische Konzeption maßgeblich mitgestaltet. Die langjährige Partnerschaft prägt die ästhetische Handschrift des Ensembles.
Neben der Bühnenarbeit engagiert sich Andrej Garin im Bereich der kulturellen Bildung. Workshops, Kurse und Fortbildungen – unter anderem im Rahmen des Seminarhaus Szenario – gehören zu seinem erweiterten Tätigkeitsfeld